Jozef Niewiadomski: Religion - eine Privatsache?
Religion - eine
Privatsache?
Jozef Niewiadomski (17.10.2001)
In der aktuellen Debatte irren sich die politisch
korrekten Zeitgenossen gewaltig, wenn sie in der Nähe zur bürgerlichen Religiosität das
Kriterium für die „echten" Muslime sehen. Anstatt den Islam mit Gewalt in unseren Köpfen zu
verbürgerlichen, sollen wir die gemeinschaftsstiftenden Aspekte der Religion in den
Vordergrund rücken.
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Virtueller Leseraum der Katholisch-Theologischen Fakultät Innsbruck:
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Publiziert in: Kirchenzeitungen von Tirol, Vorarlberg, Oberösterreich, Wien,
Burgenland (7.10.2001)
| © Katholisch-Theologische Fakultät
Innsbruck |
Der Terroranschlag auf die USA zwingt unsere bürgerliche Welt zur Neubesinnung auf
das
Wesen der Religion. In den letzten Jahren setzte sich bei uns die Überzeugung durch,
Religion
sei einem Hobby vergleichbar. Gott, Fango-Bad und die Vitaminpräparate stehen im
kulturellen Bewusststein vieler Menschen auf derselben Stufe. Oft hört man folgende
Bekenntnisse: Jeder kann glauben was er will! Jedem Menschen seinen eigenen Gott, seinen
eigenen Himmel und seinen eigenen Weg dorthin! Ob eine Sekte, oder Religion: wo liegt da
schon der Unterschied? Unsere Öffentlichkeit hat das Verständnis für die
fundamentale Rolle
der Religion im menschlichen Zusammenleben verloren. Der extreme Individualismus und eine
degenerierte Religiosität reichen sich in mitteleuropäischen Breitegraden die Hand.
Die "Selbstmordmärtyrer", die Tausende von Menschen in den Tod mit
hineinnehmen, der
Ausruf des "heiligen Krieges" zur Verteidigung ihres Glaubens durch die Taliban zeigen der
bürgerlichen Welt, dass sie sich in Sachen Religion irrt. In der globalisierten Welt ist
Religion
keine Privatsache. Und schon gar nicht ein Hobby!
Natürlich werden bei uns immer schärfer Trennungslinien zwischen Fanatikern
und „echten"
Muslimen gezogen. Und das ist gut so. Die politisch korrekten Zeitgenossen irren sich aber
gewaltig, wenn sie in der Nähe zur bürgerlichen Religiosität das Kriterium
für die „echten"
Muslime sehen. Anstatt den Islam mit Gewalt in unseren Köpfen zu
verbürgerlichen, sollen wir
die gemeinschaftsstiftenden Aspekte der Religion in den Vordergrund rücken. Jene des
Islam,
v.a. aber jene des Christentums. Dass die letzten bei uns erst mühsam neu gelernt werden
müssen, macht die Sache schwierig. Ohne die Umkehr in diesem Kontext wird aber der
lange
Kampf gegen den Terrorismus scheitern.