Predigt von Bischof Wolfgang Huber
- Abschrift auf Grundlage der Liveübertragung des ZDF, ohne Gewähr, es gilt das gesprochene Wort - Predigttext: Die Seligpreisungen, Matthäus 5 Liebe Gemeinde hier im Dom und vor dem Dom und an allen Orten, an denen Sie jetzt mit uns verbunden sind ! "Wir müssen lernen, die Leere zu ertragen und in ihrer Gegenwart zu leben." Gibt es einen Weg aus diesem Abgrund der Leere hinaus? Einen Weg zu einem Sinn, der die Leere überwindet? "Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden.", so heißt es in der Bergpredigt Jesu. Oft wird dieser Teil der Verkündigung Jesu als Aufforderung dazu gedeutet, Unrecht einfach nur hinzunehmen, halte auch die linke Backe hin, geh die zweite Meile mit. Doch das ist ein Missverständnis. Es scheint uns von den Zumutungen der Bergpredigt zu entlasten. Aber deren Zielrichtung ud Zielsetzung gerät dabei aus dem Blick. Die Bergpredigt lädt dazu ein, Möglichkeiten gewaltfreien Handelns zu erkunden. Das tiefe Dilemma der Friedensstifter ist uns in den letzten 12 Monaten neu vor Augen getreten. Wie antworte ich auf die Gewalt? |
Auf die eine wie auf die andere Weise kann man in die Zone der Schuld geführt werden. Aber in diesem Dilemma gibt die Bergpredigt die Richtung verantwortlichen Handelns vor. Diese Richtung ist durch den Vorrang gewaltfreien Handelns vor allen Mitteln der Gewalt bestimmt. "Im globalen Dorf", hat Rowan Williams, der künftige Erzbischof von Canterbury gesagt, "Im globalen Dorf kann das Feuer leicht und ohne Mühe von einem Dach zum andern übergreifen." Alleingänge können darauf keine Antwort sein, eine Achse des Friedens ist nötig. Dass Gewalttäter vor ihren irdischen Richter kommen, ist dabei dringlich zu wünschen. Wer dem Recht zur Durchsetzung verhelfen will, muss die Herrschaft des Rechts auch für sich selbst gelten lassen. Die Regeln des Völkerrechts und die eigene Verfassungsordnung müssen sich gerade in dieser Hinsicht als Richtschnur bewähren. Zu den tiefen Erschütterungen des 11. September gehört, dass für die tötende Gewalt dieses Tages die Autorität Gottes in Anspruch genommen wurde. Amen.
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