Das hat
mit dem Islam nichts zu tun!
Die Ereignisse am 11.09.2001
haben mich und meine Familie tief erschüttert. Das Schlimmste für mich war,
dass ich die Frage meiner kleinsten Tochter nicht beantworten konnte.
Die Frage lautete: Papa, wir sind
Muslime, warum haben die Muslime sowas getan? Warum haben wir sowas getan? Die
Türme waren doch so schön!
Meine kleinste Tochter war zu
diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt. Fünf Tage spaeter hatte sie Geburtstag. Zu
diesem Geburtstag waren auch sehr viele Deutsche Kinder eingeladen. Die ganze
Familie hatte fünf Tage Zeit gehabt, um das Geburtstagsfest abzusagen. Aber
nach Rücksprache mit den deutschen Familien haben wir doch das Geburtstagsfest
stattfinden lassen, damit die Kinder dieses Trauma überstehen können.
Meine Frage ist folgende: In
wieweit hat die Berichterstattung in den Medien zum Klima zwischen den
muslimischen und den nichtmuslimischen Mitbürgern in diesem wunderschönen Land
beigetragen ? Es mag sein, dass Osama ben Laden hinter den Terroranschlaegen steht,
aber das berechtigt niemanden, den Islam und die Muslime als potentiellen
Gefahrenherd und Mörder darzustellen.
Wir alle, Muslime und
Nichtmuslime in diesem Land, brauchen eine sehr feine Nuancierung zwischen dem
Islam und denjenigen, die den Islam für ihre Zwecke missbrauchen. Wenn wir das
nicht machen können, dann werden wir keine Grundlage für eine gemeinsame
friedliche Zukunft haben. Das wird die Atmosphaere soweit vergiften, dass die
multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft endgültig zur Grabe getragen
werden muss. Wir alle dürfen es nicht zulassen, dass die Fronten verhaertet
werden und eine feindliche Stellung gegeneinander befestigen.
Ich persönlich möchte mich
entschuldigen für die Taten, die niemand willkommen heissen kann, sei es ein
Muslim, Christ oder aber Jude. Wir müssen das Klischeedenken von Kreuzzug und
Jihad hinter uns lassen, wenn wir unseren Kindern wirklich eine friedliche,
lebenswerte Welt hinterlassen wollen.
Es tut mir einfach leid, mich
immer wieder erneut zu rechtfertigen, dass der Islam und der Gross der Muslime
für die schrecklichen terroristische Anschlaege nicht verantwortlich gemacht
werden können. Daher meine Bitte an die deutschen Medien: Bitte benutzen sie
ihre Macht nicht, um neue Feindbilder entstehen zu lassen, sondern dazu, dass
ein Zusammenleben mit verschiedenen Kulturen und Religionen möglich wird.
Die Medien dürfen nicht
Instrumente einer Hetzkampagne sein, die von einer unsichtbaren Hand gesteuert
scheint. Meine Familie und ich leben seit mehreren Jahrzenten in Deutschland.
Wir haben die Phasen des Zusammenlebens von verschiedenen Kulturen und
Religionen überwiegend mit positiven Eindrücken begleitet.
Lassen Sie uns alle unsere
Kraefte gegen das Böse vereinen. Wie sich dieses Böse auch nennt, ist im
Endeffekt nicht relevant. Weil sein Feind die gesamte Menschheit und der
Frieden auf unserem wunderschönen blauen Planet ist. Ich möchte nicht, dass
Menschen, Kreaturen Gottes, aufgrund ihrer Religion, Nationalitaet oder Rasse,
getötet werden.
Das Leben ist zu kurz, um sich
gegenseitig zu bekriegen. Ich reiche meinen allen Andersdenkenden und
-glaubenden Mitbürgern in diesem Land meine Hand für die Versöhnung der Völker.
Bitte lassen Sie meine Hand nicht leer. Ich bitte sie darum. Dann habe ich
vielleicht einen plausiblen Grund die Frage meiner kleinsten Tochter zu
beantworten. Bitte helfen Sie mir dabei!
Mit besten Wünschen
Mehmet Adil Cukaz
Journalist